Rede des Vorsitzenden zum Europaparteitag (Teil 2)
4. Mai 2013Teil 1 der Rede finden Sie hier.
Europa besteht derzeit aus 27 Staaten. In zehn Jahren werden es 35 oder 40 Staaten sein. Manche werden ganz neu dazukommen, aber die meisten werden sich aus den bestehenden Staaten abspalten. Diese Entwicklung ist in ganz Europa festzustellen. Und diese Entwicklung ist einfach nur logisch: In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst, wird die Heimat immer wichtiger. Dazu bekennt sich die Bayernpartei ohne Wenn und Aber! Und diese Heimat sind nicht mehr die großen Gebilde früherer Zeiten. Es sind nicht mehr die militärstrotzenden und pompösen Nationalstaaten alter Prägung. Das Europa der Regionen, das uns vorschwebt, ist keine Forderung. Es ist eine Prognose! Es ist kein von Politikern verordnetes Konzept, es ist ein menschlichs Grundbedürfnis!
So ähnlich diese Entwicklung in praktisch allen Ländern verläuft, so unterschiedlich sind die Gründe dafür. Es liegt nicht an uns, über die Gründe der anderen zu urteilen. Aber wir sollten uns vor Augen führen, warum wir Bayern unabhängig werden wollen: Wir wollen unsere Kultur verteidigen. Und das schafft man nun mal am besten als eigener Staat. Wir wollen selbst über unsere Angelegenheiten bestimmen. Und das schafft man nun mal am besten als eigener Staat. Wir wollen die Freiheitsrechte der Bürger vor immer gieriger werdenden staatlichen Institutionen schützen. Und das schafft man nun mal am besten als eigener Staat. Wir wollen, dass bayerisches Geld in Bayern bleibt. Und das schafft man nun mal am besten als eigener Staat. Wir wollen eine fußläufige Demokratie, die nah am Bürger ist, die transparent ist und die kontrollierbar ist. Und das schafft man nun mal am besten als eigener Staat. Wir wollen selbst die passenden Lösungen für unsere derzeitigen Probleme finden. Und das schafft man nun mal am besten als eigener Staat. Und Deutschland – das darf man auch mal ganz klar sagen – schafft gar nichts!
Ich kenne jetzt schon das Vorurteil, das in Bezug auf eine bayerische Eigenstaatlichkeit geäußert wird: „Das ist ja Kleinstaaterei.“ Ich sage es ganz klar: Diese Bezeichnung ist eine Beleidigung! Nicht für uns, sondern für all die Staaten, die viel kleiner sind als Bayern und trotzdem unabhängig. Warum spricht man denen ihr Lebensrecht ab? Kommt Österreich nicht als eigener Staat gut zurecht? Belgien, Finnland, Portugal – würde es denen allen besser gehen, wenn `man sie an Nachbarstaaten anschließen würde? Aber meinetwegen, bezichtigt uns der Kleinstaaterei. Mir ist selbstbewusste Kleinstaaterei lieber als arrogantes Großmachtgehabe!
Alternative für Deutschland
Und ich wende mich auch an diejenigen, die glauben, sie müssten sich als eine „Alternative für Deutschland“ zur Wahl stellen. Die meinen, sie müssten Deutschland vor der Umverteilung in Richtung Europa retten. Wie einäugig muss man sein, dass man nur die Umverteilung in Europa sieht, aber nicht die in Deutschland? Wer heute gegen Griechenland, Spanien und Zypern wettert, der muss sehen, dass es Griechenland, Spanien und Zypern auch innerhalb Deutschlands gibt – nur heißen die Länder da eben Berlin, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern. Was die bayerischen Bürger brauchen, ist keine Alternative für Deutschland, wir brauchen eine Alternative zu Deutschland! Denn was gut für Deutschland ist, ist fast immer schlecht für Bayern!
Euro, ESM
Bayern hatte ab 1808 als eines der ersten europäischen Länder eine Verfassung. Diese war natürlich nicht mit heutigen Verfassungen vergleichbar, das war keine wirkliche Demokratie. Aber schon damals gab es das Konzept der Ministerverantwortlichkeit. Ein Regierungsmitglied muss sich dafür verantworten, wenn es seine Macht nicht rechtmäßig einsetzt. Das ist heute selbstverständlich und man sollte es auch auf europäischer Ebene erwarten können. Und dann schauen wir uns den ESM an: Die „Regierung“ des ESM sind die Direktoren. Sie haben alle Macht in der Hand, sie können die Staaten zu praktisch unendlichen Zahlungen verpflichten. Und wem sind diese Direktoren verantwortlich? Niemandem! Die Euro-Rettung und der ESM werfen unsere Demokratie einfach so um zwei Jahrhunderte zurück!
Allein, nicht einsam
Was uns antreibt, ist eben nicht der Hass auf die anderen. Es ist das Vertrauen in uns, dass wir es selbst können. Und das spricht sich immer mehr herum. Wenn sogar ein CSU-ler tönt „Bayern kann es auch allein!“, dann ist die Idee schon wirklich weit gedrungen. Wir Bayern können es wirklich allein. Dafür steht die Bayernpartei seit 1946. Ja, wir sind Separatisten. Aber wir sind keine Nationalisten – wir wollen allein sein, aber nicht einsam.
Rechte der Einheimischen
Und darum bekennen wir uns durchaus zu Europa. Unser Europa bedeutet aber auch, dass der europäische Bürger nicht ausschließlich Europäer ist. Er ist auch Pole, Schotte, Niederländer, Österreicher, Katalane, Portugiese, Bretone, Slowenier, Schwede oder Bayer. Und das muss nun einmal bedeuten, dass ich in meinem Heimatland, in meiner Heimatregion andere oder auch mehr Rechte habe als jeder andere Europäer. Wenn wir nicht einmal mehr danach unterscheiden dürfen, ob jemand in seinem Land daheim ist oder nicht, dann haben wir den Superstaat.
Und da frage ich mich: Welche Veranlassung hat die EU, gegen Einheimischenmodelle vorzugehen? Das sind wieder diese Technokraten, von denen ich vorhin gesprochen habe. Warum will es Brüssel den Staaten verbieten, jungen Familien günstiges Bauland im Ort zur Verfügung zu stellen? Das ist unnötig, das ist dumm, das ist instinktlos.
Schlussappell
Und das entfremdet die Menschen von der europäischen Idee. Wenn sich der Staat nicht einmal mehr um die eigenen Bürger kümmern darf, was darf er dann in dieser EU überhaupt noch? Bayern liegt schon immer im Herzen Europas, aber Bayern war auch immer eigenständig. Und Bayern war nie nur eine Provinz – weder Bonner Provinz, noch Berliner Provinz. Aber wir müssen aufpassen, dass Bayern auch keine Brüsseler Provinz wird!
Gerade darum brauchen wir eine echte bayerische Kraft in Europa: Eine Kraft, die Europa nicht abschaffen will. Aber eine Kraft, die Europa in seine Schranken weisen will!
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