Liebe Parteifreunde, liebe Delegierte, liebe Gäste,
wir stellen heute unsere Kandidatenliste für die Europawahl auf. Wir wollen damit Mandate erringen, um in Europa mitzumischen. Und es war noch nie so einfach für uns, den Einzug ins Europaparlament zu schaffen. Es war aber auch noch nie so notwendig. Man wird oft gefragt, was die Bayernpartei denn überhaupt in Europa will. Dabei ist es ganz einfach: Wir wollen Bayern retten! Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und dafür braucht es uns, weil die anderen es nicht können und auch nicht wollen!
Was ist Europa?
Wenn man etwas in Europa bewegen will, dann muss man zuerst fragen: Was ist eigentlich Europa? Europa ist kein politischer Begriff, Europa ist ein geographischer Begriff. Europa ist keine Nation, Europa ist kein Staat. Europa ist ein Kontinent. Und Europa ist keine Schöpfung von Politikern, es ist ein Gefühl der Menschen und Forderung der Vernunft. Es ist das Bewusstsein, sich eine im Weltmaßstab ziemlich kleine Landmasse zu teilen und hier friedlich zusammenleben zu müssen. Es ist das Bewusstsein, sehr verschieden zu sein und doch zusammenzugehören. Es ist das Bewusstsein, den anderen so leben zu lassen, wie er das für richtig hält.
Eine Sache versteht sich aber von selbst: Die EU ist nicht Europa. Die EU hat sich aus einer guten Idee und einem ambitionierten Anfang in einen Moloch verwandelt, der sich stets neue Befugnisse nimmt und keine Selbstbeschränkung kennt. Wenn Politologen mittlerweile feststellen, dass die USA, ein echter Staat, größere Unterschiede kennt als die EU, dann ist Brüssel einfach über das Ziel hinausgeschossen. Und die EU hat ein besonderes Talent dafür, so zu agieren, dass sie den Menschen Europa verleidet.
Bürokratie und Technokratie
Ich frage mich, welche PR-Genies da in Brüssel sitzen. Wie kann man so – entschuldigen Sie – dumm sein und bürokratische Monster wie diese berühmte Gurkenrichtlinie entwerfen? Gibt es da denn niemanden mit gesundem Menschenverstand, der sieht, dass er jedem Feind Europas, ob rechts oder links, hier ein gefundenes Fressen serviert? Natürlich, mittlerweile ist diese Regelung aufgehoben, wiedereinführen will sie hoffentlich niemand. Aber das ist doch nur ein Symptom dafür, dass hier Technokraten ohne Lebenserfahrung sitzen. Bürokraten, die glauben, sie könnten jeden Lebenssachverhalt des normalen Bürgers durch Recht und Gesetz, durch Richtlinie und Verordnung regeln.
Und sie lernen auch nicht daraus. In Zeiten weltweiter Klima-Hysterie hat man geglaubt, durch das Verbieten von Glühbirnen die Welt retten zu können. Freilich, Energiesparlampen mögen sinnvoll sein. Aber das kann ich doch selber entscheiden und brauche keine Brüsseler Bürokraten dafür, die mir sagen, welche Leuchtmittel ich in die Fassungen schrauben darf.
Aber die nächste Regelung wirft schon ihre Schatten voraus. Es soll ein europaweites Rauchverbot in der Gastronomie kommen. Jetzt mag man sich als Bayer denken „Mei, wir haben ja schon ein totales Rauchverbot, was soll da noch passieren?“. Aber, liebe Freunde, die EU-Kommission ist noch viel einfallsreicher als Herr Frankenberger.
Bürokraten, die glauben, dass Freiheit und Selbstbestimmung des Einzelnen hinter den Machtansprüchen des Superstaates zurücktreten müssen. Wir stellen dem einen anderen Entwurf gegenüber. Wir wollen nicht nur ein Europa, in dem die Regionen selbst entscheiden, sondern auch ein Europa, in dem die Menschen selbst entscheiden.
Europa der 27 Geschwindigkeiten, Souveränität
Will Europa erfolgreich sein, dann darf es kein Zentralstaat sein. Es darf auch kein Bündnis sein, in dem drei oder fünf große Staaten den Ton angeben. Europa besteht derzeit aus 27 Staaten. Und sie alle haben das Recht, ihre Zugehörigkeit zur EU und ihre Teilhabe selbst zu entscheiden. In diesem Zusammenhang wird oft von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten gesprochen. Eine „schnelle Integration“ für die willigen Länder und eine „langsame“ für den kläglichen Rest. Ich sage: Wir brauchen ein Europa der 27 Geschwindigkeiten! Jeder Staat muss individuell entscheiden können, welchen Vereinheitlichungsschritt er gehen will und welchen nicht. Das ist wahre Selbstbestimmung, das ist wahre Demokratie. Und wenn ein Land seine Souveränität lieber etwas langsamer abgeben will, dann hat es jedes Recht dazu.
Diese Souveränität ist leider in der derzeitigen EU unter ständigem Beschuss. Mir klingt es jetzt noch in den Ohren, wie Herr Schäuble in einer Gesprächsrunde geäußert hat, Deutschland sei ja seit 1945 nicht mehr souverän gewesen. In einer globalen Welt kann nicht mehr jeder Staat ohne Rücksicht auf die anderen tun und lassen, was er möchte. Das ist richtig. Gefährlich wird es aber, wenn man das als Verlust an Souveränität bezeichnet. Das würde bedeuten, dass es keinen Weg zurück gibt. Wer behauptet, es sei alternativlos, sich unter Staatengemeinschaften zu unterwerfen, lenkt von seinen eigenen Handlungsoptionen ab. Dazu gehört im Zweifel auch, „nein“ sagen zu können. Die Einbindung in internationale Systeme ist eine Entscheidung, die täglich neu getroffen wird – und zwar souverän. Wenn wir es Herrn Schäuble durchgehen lassen, dass er heute behauptet, wir seien gar nicht mehr souverän, dann sind wir es vielleicht morgen tatsächlich nicht mehr.
Reform des Parlaments
Wir haben ganz allgemein ein Demokratie-Defizit in Brüssel. Die einzige einigermaßen direkt gewählte Institution ist das EU-Parlament. Und welche Macht hat dieses Parlament? Zugegeben, da ist in den letzten Jahren einiges dazugekommen. Aber seien wir mal ehrlich: Die wahre Macht liegt weiterhin bei der EU-Kommission und beim Europäischen Rat, bei den Ministerrunden und in den Hinterzimmern. Das wollen wir ändern!
Wir müssen aber auch über die Stimmverteilung im Parlament reden. Bayern hatte vor der letzten Europawahl ganze elf Abgeordnete, die 12,5 Mio. Bürger vertreten. Malta dagegen, mit gut 400.000 Einwohnern, hat fünf Stimmen. Ein Maltese hatte also mehr als 14 mal so viel zu sagen wie ein Bayer. Ist das Demokratie? Natürlich werden wir immer so unterschiedliche Staaten in Europa haben, dass wir hier nie völlige Gerechtigkeit schaffen. Und wir wollen auch gar nicht, dass Malta nur noch einen oder überhaupt keinen Abgeordneten mehr stellt. Aber dann könnte man doch auch überlegen, ob ein kleines Land nicht mehr Abgeordnete stellen darf als es Stimmen hat. Zum Beispiel doppelt so viele Abgeordnete, aber mit halbem Einkommen, halben Kostenpauschalen und halbem Stimmrecht. Vielleicht hat jemand eine noch bessere Idee, das zu regeln. Nur her damit! Aber eines ist sicher: Europa muss flexibler werden, sonst wird es den verschiedenen Staaten einfach nicht gerecht.
Wir müssen aber auch über die Qualität der Europaabgeordneten reden. Und ich meine das gar nicht böse. In fast allen Parteien gibt es fähige Leute, natürlich. Aber warum schicken die dann Delegationen nach Europa, die nur so vor Ahnungslosigkeit, Desinteresse und Arroganz strotzen? Parlamentspräsident ist derzeit Martin Schulz von der SPD. Er ist damit der höchste Parlamentarier in ganz Europa. Und alles, was man von ihm bisher gehört hat, waren lustige Sprüche über andere Politiker und gar nicht lustige Forderungen nach noch mehr Macht für Brüssel. Und als es die Briten gewagt haben, ihm da zu widersprechen, wollte er sie kurzerhand aus der EU rausschmeißen. Gegenüber Griechenland hat er dagegen unendliche Geduld. Ich sage Ihnen, jemand mit der Kompetenz eines Martin Schulz würde hierzulande nicht einmal Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat von Hintertupfing!
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