Dass sich die bayerischen Grünen mit dem Begriff „Heimat“ beschäftigen, mag einen zunächst erstaunen. Es waren und sind gerade die Grünen, die Patriotismus und Heimatverbundenheit stets kritisch beäugen und gern undifferenziert in eine bestimmte politische Ecke schieben. Wenn sich die Landtagsfraktion dann gleich einen kompletten „Heimatkongress“ leistet und diesen im Regensburger Salzstadel abhält, mag man es kaum glauben.

Die Kehrtwende der Grünen beim Heimatbegriff erinnert irgendwie auch an die Umkehr der CSU in der Frage der Atomkraftwerke. Ein Schelm, wer Wahlkampftaktik dahinter vermutet. Sogar das bayerische Parteimagazin „Grüen“ (sic) beschäftigt sich – nur unterbrochen durch Werbeanzeigen von Firmen, denen die grüne Politik gewogen ist – auf 24 Seiten mit der Heimat.

Mit gewisser Selbstkritik wird ein 25 Jahre alter Antrag der damaligen Landtagsabgeordneten Ruth Paulig erwähnt, der sich „gegen Bayerntümelei und Jodlerbayerntum“ wendete. Seitdem habe jedoch ein Umdenken stattgefunden man habe seinen Frieden mit dem Freistaat gemacht. Zugegeben, dumpfen antibayerischen Rassismus kann man den heutigen Grünen tatsächlich nicht unterstellen. Aber zwischen den Zeilen merkt man schon, dass der einstigen Öko-Partei jede positive Hinwendung zum eigenen Land erst einmal suspekt ist.

Da stellt es die Parteizeitung als positives Beispiel für Integration hin, dass die Kinder einer irakisch-kurdischen Familie im Allgäu den dortigen Dialekt sprechen. Mit dieser Bewertung stimmen wir als Bayernpartei sicherlich hundertprozentig überein. Gleichzeitig muss man sich aber fragen, warum die Forderung nach dem Spracherwerb durch Einwanderer für die Grünen ansonsten trotzdem eine Stammtischparole darstellt.

Dem entspricht es dann auch, wenn die Frage nach der Landessprache unter dem Titel „Heimat für die einen, Ausgrenzung für die anderen?“ abgehandelt wird – so, als müssten sich die Einheimischen dafür entschuldigen, dass sie „anders“ sind als die Einwanderer.

Äußerst befremdliche wirkt auch die Aussage der Landtagsabgeordneten Margarete Bause auf dem „Heimatkongress“, der jüngst gewählte Regener SPD-Landrat sei nur durch eine Koalition angeblicher Nicht-Bayern ins Amt gelangt. Die Freude über das Aufbrechen früherer festgefügter Mehrheiten mag verständlich sein. Aber die so vermittelte Vorstellung, die verbohrten Bayern würden sowieso immer die CSU wählen und man müsse nun daran arbeiten, alle anderen gegen die CSU zu verbünden, ist an Schlichtheit kaum zu überbieten. Solange man Bayern mit der CSU gleichsetzt, muss man sich auch nicht wundern, wenn sich die CSU mit Bayern gleichsetzt und sich viele Einheimische entsprechend identifizieren. Dabei war die CSU – außerhalb von Wahlkämpfen – nie etwas anderes als ein Statthalter der Bundes-CDU in Bayern.

Vielleicht setzt sich ja auch bei den Grünen irgendwann durch, dass ein positiv besetzter Heimatbegriff nichts mit Fremdenfeindlichkeit zu tun hat – an der Stelle muss man sich fast wünschen, dass die Lücke, die Sepp Daxenberger hinterlassen hat, nicht von Claudia Roth aufgefüllt wird. Man muss dem Bekenntnis zum eigenen Land nicht krampfhaft das Bekenntnis zum Weltbürgertum hinterherschieben, um sich politisch unverdächtig zu machen.

Vor allem muss man aber den Eindruck vermeiden, dass Toleranz immer nur gegenüber den anderen geübt werden muss. Zurecht wenden sich die Grünen gegen einen Integrationsbegriff, der völlige Assimilation und das Überbordwerfen der eigenen Herkunft zum Ziel hat. Bisweilen beschleicht einen aber das Gefühl, dass diese Konzilianz gegenüber Einheimischen deutlich skeptischer gesehen wird.

„Eines sage ich mit Stolz und Überzeugung: Wir sind Patrioten. Ich weiß, dass das heute nicht mehr unbedingt populär ist. Das liegt aber in erster Linie am deutschen Patriotismus, der immer eine Spur Hass auf die anderen in sich getragen hat. Das war beim echten bayerischen Patriotismus aber nie der Fall. Er gründet sich nicht auf völkische und mythologische Fundamente. Er gründet sich auf unseren Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung. Und wer frei sein und die Dinge selbst in die Hand nehmen will, muss sich nicht dauernd gegen andere abgrenzen und Sündenböcke suchen. Die Bayernpartei steht für einen positiven Patriotismus, der nicht aus einer Überhöhung des eigenen Landes und einer Herabsetzung der anderen besteht.“
Florian Weber, Landesvorsitzender, beim Parteitag der Bayernpartei am 30.11.2011 in Bamberg

Obgleich Bayern kein Einwanderungsland ist, hat Einwanderung nach Bayern immer stattgefunden. Vor allem geschah, seit es eine bayerische Staatlichkeit gibt, ein reger Austausch mit vielen anderen europäischen Kulturen. Schon an der bairischen Sprache und ihren zahlreichen aus anderen Sprachen übernommenen Begriffen merkt man, wie präsent fremde Einflüsse in unserem Land waren. Dass man aber heute trotzdem noch von einer bayerischen Kultur, sogar von regional sehr differenzierten bayerischen Kulturen sprechen kann, ist dem Festhalten an der eigenen – wenngleich sich in Nuancen wandelnden – Kultur geschuldet. Und diese sollten wir auch in Zukunft nicht aufgeben.

Wir dürfen mit allem Selbstbewusstsein sagen: Ja, wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel und die folgenden Generationen auch noch bairisch, fränkisch oder schwäbisch sprechen. Und nein, es ist kein adäquater Ersatz, wenn sie dafür englisch, türkisch oder chinesisch können. Wir haben ein bayerisches Selbstverständnis und das lassen wir uns nicht nehmen. Nicht durch ein krudes Weltbürgertum, nicht durch eine krude deutsche Leitkultur und nicht durch politisch korrekte Bedenkenträger.

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