439765_web_R_K_by_Uta Herbert_pixelio.de“Den Lebensabend im schönsten Fleck Deutschlands genießen”, “zweiter Frühling vor traumhafter Alpenkulisse”, “beste Betreuung im Fünf-Seen-Land” – so, oder so ähnlich klingen die Werbebotschaften für bayerische Altenheime in ganzen Bundesgebiet. Und übermäßig viel Reklame braucht es dafür nicht einmal, denn für viele Deutsche aus anderen Bundesländern ist der Freistaat ohnehin das Wunschziel für’s Alter. Es ist ja auch niemandem zu verübeln, dass er lieber in einer Seniorenresidenz am Chiemsee als in einem Brandenburger Plattenbau mit minutengenau kalkulierte Fließbandpflege lebt.

“Seniorenimmigration” nimmt zu

Und prinzipiell ist auch wenig dagegen zu sagen, dass auch Menschen von außerhalb die bayerische Natur und Kultur genießen wollen. Bayern war schon immer ein Land, das vom Tourismus profitiert hat. Die seit einigen Jahren zu beobachtende Seniorenimmigration bringt aber ganz eigene Probleme mit sich, die mit Fremdenverkehr nicht viel zu tun haben:

Altenheime sind bekanntlich teuer, insbesondere wenn bereits eine Pflegestufe vorliegt. Dies ist nicht etwa üppigen Gehältern für das Personal geschuldet, sondern unter anderem den steigenden Nebenkosten, der Verwaltung und der sich permanent vermehrenden Bürokratie. Die pauschalen Zahlungen aus der Pflegekasse reichen in aller Regel bei weitem nicht für die tatsächlichen Kosten.

Belastung für Sozialkassen

Also muss der Bewohner selbst die Differenz zahlen. Aber die Rentensteigerungen halten mit der Preisentwicklung, insbesondere in diesem Bereich, schon lange nicht mehr mit. Erträge aus dem Angesparten gibt es, seit Zinsen faktisch abgeschafft wurden, sowieso kaum noch. Angehörige werden nur bei relativ hohen Einkommen in die Pflicht genommen. Nach wenigen Jahren ist ein eventuell vorhandenes Vermögen aufgebraucht und so springen in bis zu 80 % der Fälle die örtlichen Sozialhilfeträger im Rahmen der Grundsicherung ein.

Genaue Zahlen dazu werden nicht herausgegeben. Aber wenn man berücksichtigt, dass 25.000 Euro Eigenanteil pro Jahr keine Seltenheit sind, kann man davon ausgehen, dass hier mehrere Millionen Euro zusammenkommen. Dem stehen auch nicht – wie bei bayerischen Bürgern, die in der Regel seit Jahrzehnten hier ihre Steuern bezahlt haben – Einnahmen entgegen. Auch, wenn das im Vergleich zu den sonstigen Transferleistungen kein herausragender Betrag ist, sind es wieder Gelder, die vom bayerischen Steuerzahler für die Bürger anderer Bundesländer aufgebracht werden müssen.

BaumgartnerTS2Altenheime sind Prestigeobjekte

Alfons Baumgartner, der für die Bayernpartei im Traunsteiner Kreistag sitzt, erklärt die Situation: “Viele Bürgermeister haben einfach den Ehrgeiz, auch in ihrem Ort ein Seniorenheim zu bauen. Den privaten, kirchlichen oder karitativen Trägern werden dazu häufig Grundstücke kostenlos zur Verfügung gestellt oder Erschließungskosten erlassen.” Die Problematik ist dann jedoch, dass ein Heim mit dem typischerweise in einer Gemeinde anfallenden Bedarf kaum wirtschaftlich zu betreiben ist. Darum wird in der Regel eine Kapazität von mindestens 100 Plätzen angestrebt, mit dem Resultat, dass weitere Bewohner von auswärts angeworben werden müssen.

Die Gemeinden müssten auch wissen, dass die so anfallenden Kosten im Endeffekt bei ihnen landeten: Zwar übernimmt der Bezirk diese Sozialhilfekosten, holt sich das Geld aber über die Umlage von den Landkreisen zurück. Diese wiederum halten sich bei den Gemeinden schadlos.

Für Baumgartner wäre es wichtiger und auch der Lebensqualität der Bewohner zuträglicher, wenn nicht jede Gemeinde immer auf Altersheime setzen, sondern andere Möglichkeiten stärken würde. “Es gibt viele Angebote zur Unterstützung älterer Menschen und ihrer Angehörigen, sei es nun ‘Essen auf Rädern’, Tagesbetreuungs-Einrichtungen oder häusliche Pflegedienste. All das ermöglicht es den Menschen, so lange wie möglich daheim zu leben. Und das ist doch das, was sich die meisten wünschen”, so Baumgartners Erfahrung.

Um die Problematik zu beheben, bieten sich folgende Vorgehensweisen an:

– Stärkung von Alternativen zur Pflege im Heim.

– Keine öffentlichen Zuschüsse für Heime, deren Platzangebot deutlich über dem örtlichen Bedarf liegt.

– Keine öffentlichen Zuschüsse für Heime, die außerhalb Bayerns um Bewohner werben.

– Verpflichtung der Betreiber, bei Bewohnern von außerhalb Bayerns, die Finanzierung des Eigenanteils auf angemessene Zeit sicherzustellen.

– Ein Abkommen mit den anderen Bundesländern, die hier anfallenden Kosten auszugleichen.

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