Toleranz ist mittlerweile ein politischer Wert, wie es sonst kaum einen anderen gibt. Jeder kann Toleranz fordern, jeder soll Toleranz zeigen. Im urspünglichen Wortsinne, der vom lateinischen Verb “tolerare” kommt, bedeutet tolerieren einfach nur “aushalten”. Man sollte es aushalten, man sollte es ertragen, dass andere Menschen anders sind als man selbst. Und in diesem Sinne ist Toleranz der Grundstein einer freiheitlichen, liberalen Gesellschaft.

Jeder kann sich frei entscheiden

Nehmen wir als Beispiel mal ein Thema, das in gleicher Weise fundamental wie banal ist: Das Essen. Viele Menschen meiden aus religiösen, moralischen oder gesundheitlichen Gründen bestimmte Speisen. Dass unter anderem Juden und Moslems kein Schweinefleisch essen, ist bekannt. Und das ist selbstverständlich ihr gutes Recht. Nahrungstabus haben auch in unserer Kultur durchaus ihren Platz. Man isst am Karfreitag kein Fleisch, manche Christen an jedem Freitag. Nicht wenige Menschen sind Vegetarier, einige gar Veganer.

Viele Lebensmittelhersteller werben explizit um diese Gruppen, indem sie ihre Produkte entsprechend deklarieren und dem Käufer gleich verraten, was in der Packung alles nicht drin ist. Und so kann sich jeder entscheiden, ob er Schwein, Geflügel, Tofu, Rind, Eier, Milch oder Gemüse essen will oder nicht. Das ist Freiheit, das ist Toleranz, das ist Marktwirtschaft.

Bisweilen wird aber leider vergessen, dass auch der Tolerierende selbst Toleranz einfordern kann. Um es weniger philosophisch zu sagen, bedeutet Toleranz einfach: “Tu, was du willst, aber lass mich damit in Ruhe.” Und vor allem: “Zwing mich nicht dazu, das Gleiche zu tun.”

Vorauseilende Pseudo-Toleranz

Unter völliger Verkennung dessen gibt es mittlerweile, um beim Beispiel des Essens zu bleiben, auch Auswüchse, die schlicht unverständlich sind: Einige Schulen haben in ihrer jeweiligen Mensa das Schweinefleisch komplett vom Speiseplan genommen. Noch sind es wenige Fälle, unter anderem in Berlin und im Rheinland. Aus Bayern ist entsprechendes noch nicht bekannt, aus Südtirol dagegen schon.

So etwas zeigt einfach eine falsche Vorstellung von Toleranz. In jeder Mensa, in jeder Kantine und in jedem Restaurant gab es schon immer Mahlzeiten ohne Schweinefleisch. Es gab und gibt die Möglichkeit, sich für Essen zu entscheiden, das keine Inhaltsstoffe enthält, die meinen Wertvorstellungen widersprechen. Wenn ein Gericht “Schweineschnitzel” heißt, dann kann ich es vermeiden. Wenn ich gar nicht weiß, was wo drin ist, kann ich immer noch nachfragen. Das ist jedem ohne Weiteres zuzumuten.

Nichts aus dem “Veggie Day” gelernt

Eine bestimmte Zutat aus Rücksicht auf eine bestimmte Gruppe zu verbieten, entmündigt aber alle betroffenen Menschen. Mehr noch, es bringt die Mehrheitsgesellschaft leicht gegen eine Minderheit auf. Die Klage “Ihr Moslems wollt doch immer eine Extrawurst” liegt zu nahe, obwohl sie unbegründet ist. Denn es sind normalerweise nicht die Gläubigen, oft noch nicht einmal deren Funktionäre, die hier ihre Speisegewohnheiten allgemeinverbindlich durchsetzen wollen. Es sind diejenigen, die aus dem Desaster um den “Veggie Day” überhaupt nichts gelernt haben. Es sind diejenigen, die voller Komplexe in falschen Aktionismus und in unglaubliche Spießigkeit verfallen, um sich ganz besonders tolerant und weltoffen zu zeigen.

Und wenn wir sogar bestimmte Gerichte verbannen, weil sich irgendjemand davon gestört fühlen könnte, welche Teile unserer Kultur sind dann noch vor angeblicher Rücksichtnahme sicher?

Sind Sie auch unserer Meinung?
Dann engagieren Sie sich für Bayern und werden Sie Mitglied der BP!

Hier geht's zum Online-Mitgliedsantrag.