Ja, wir geben es zu: Auch Politiker sind nur Menschen. Auch wir haben Gefühle und manchmal tut es wirklich weh, wenn wir unberechtigt kritisiert werden. Manche Dinge ist man freilich schon gewohnt. Manche Bezeichnungen schmerzen nicht mehr gar so: Monarchisten, Eigenbrödler, Isolationisten, Lederhosn-Fetischisten – damit kann man uns nicht mehr treffen.

Aber das vernichtende Urteil der Bezirkssekretärin der unterfränkischen Piratenpartei, Beate Kesper, ist uns allen durch Mark und Bein gefahren: Die Bayernpartei sei nicht piratig. Ausgerechnet wir? Dabei kämpfen wir Tag für Tag um unsere Piratigkeit. Allgemein akzeptierter Dresscode für Vorstandssitzungen der BP sind Latzhose und Palästinensertuch. Unvergessen ist auch das viertägige “Entern und kapern”-Seminar unserer Jugendorganisation vor der Küste Somalias. All das hat aber scheinbar nichts geholfen. Wir sind immer noch nicht piratig. Vielleicht sollten wir es lassen, uns mit Politik zu beschäftigen. Aber auch dann wären wir wahrscheinlich immer noch keine Piraten, sondern ganz einfach Freie Wähler.

Ach ja, der Auslöser dafür war übrigens die mittlerweile allseits bekannte 18-Prozent-Umfrage. Dafür hätten wir keine Quelle angegeben. Insoweit freut es uns, dass wir Frau Kesper bei ihrer eigenen Piratisierung etwas helfen können: In diesem neumodischen Internetdings kann sich ja kein Mensch mehr auskennen. Überall nur WWW und @ und Stopp-Schilder und HTTP – wie soll man da den Überblick behalten? Darum gibt es sogenannte Suchmaschinen. Google ist eine davon. Und wenn man da eingibt, was man sucht, findet man manchmal auch das, was man sucht. Gibt man nun zum Beispiel “Bayernpartei Umfrage 18 %” oder etwas ungelenker “Wie viele Bayern würden Bayernpartei wählen” ein, so findet man zahlreiche Seiten, auf denen es um das Umfrageergebnis geht. Diese Technik…!

Und ziemlich weit oben findet man die Seite Bayernpartei wertet FORSA-Umfrage aus. Dort steht ganz am Anfang (wo man es auch mit einer total piratigen Augenklappe sieht): “18 % der Bayern könnten sich vorstellen, bei der nächsten Landtagswahl für die Bayernpartei zu stimmen. Dieses Ergebnis erbrachte nun eine repräsentative Umfrage des renommierten Forsa-Instituts, die Ende Oktober bis Ende November durchgeführt wurde. 1002 wahlberechtigte bayerische Bürger wurden hierfür befragt.”

Übrigens hat die Piratenpartei den zweiten Teil derselben Umfrage, die Sonntagsfrage, mindestens genauso “herausposaunt” wie wir. Beleg dafür war der Verweis auf Wahlrecht.de – also nach piratigen Maßstäben bestenfalls eine Sekundärquelle. Die Umfrage sah die Piraten nämlich kurzfristig knapp über 5 % in Bayern.

Das ist freilich auch das Ziel der BP. Allerdings wüssten wir auch ziemlich genau, was wir vom Landtag aus zum Wohl der Bürger alles verändern könnten. Für uns ist Demokratie mehr als “liquid democracy”. Selbstbestimmung ist für uns mehr als nur unter verschiedenen Browsern wählen zu dürfen. Und wir verteidigen die Bürgerrechte auch außerhalb des Internets.

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