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Europas Feigenblatt

Seit 1. April ist die im EU-Vertrag (Art. 11 Abs. 4) vorgesehene „Europäische Bürgerinitiative“ in Kraft. Diese sieht vor, dass sich die Europäische Kommission mit einem Anliegen befassen muss, wenn es von einer Million EU-Bürger unterstützt wird. Zudem muss ein bestimmtes Quorum in wenigstens einem Viertel der Mitgliedsstaaten erreicht werden.

Florian Weber, Vorsitzender der Bayernpartei, erklärt hierzu: „Dieser zaghafte Versuch, etwas mehr Demokratie in Brüssel zu etablieren, ist natürlich im Grundsatz zu begrüßen. Man muss aber auch ganz nüchtern feststellen, dass dieses Initiativrecht weit von dem entfernt ist, was man als Volksbegehren bezeichnen könnte. Die EU-Kommission muss sich lediglich mit dem Vorschlag befassen, eine Pflicht zur Umsetzung besteht nicht. Auch gibt es keine Möglichkeit, einen Volksentscheid oder ähnliches zu erwirken.

Insofern besteht auch die Gefahr, dass durch dieses Instrument die Diskussion um eine Demokratisierung der Europäischen Union ins Stocken gerät. Schließlich haben die Kritiker ja nun scheinbar erreicht, was sie wollten. Wenn die Bürgerinitiative nun zum Feigenblatt Europas wird und dazu führt, dass die Entscheidungswege die gleichen bleiben wie bisher, dann ist sie eher ein Rückschritt.“

Auch sei es eine Illusion, dass hier tatsächlich die Bürger mitreden könnten. Weber: „Eine Million Unterschriften innerhalb von zwölf Monaten zu sammeln, das kann eine normale Bürgerinitiative vielleicht noch schaffen. Die Sammlung wurde jedoch sehr technokratisch gestaltet. In vielen Staaten müssen die Unterschreiber auch ihre Ausweisnummer angeben, was sicher eine psychologische Barriere darstellt. Auch die Online-Sammlung über eine spezielle Software, die dann noch zertifiziert werden muss, verkompliziert den ganzen Prozess.

Im Endeffekt werden also nur europaweiten Parteienbündnisse oder gut finanzierte Interessengruppen eine solche Initiative durchführen. Diese haben aber bereits jetzt die Möglichkeit, über ihre EU-Abgeordneten ein Thema auf die Tagesordnung zu bringen. Bürgerbeteiligung sieht anders aus.“

Die Bayernpartei fordert eine echte Demokratisierung der EU. Dazu gehört auch:
– Verringerung des Einflusses von Lobbyisten
– Stärkung des EU-Parlaments
Vorrang der Verfassungen der Mitgliedsstaaten vor EU-Recht
Subsidiarität und Regionalismus statt Zentralismus

Bildquelle: Gerd Altmann/pixelio.de

2 Reaktionen zu “Europas Feigenblatt”

  1. Da Marcus

    1.000.000 Unterschriften … alleine diese hohe Hürde zeigt, dass das kein demokratisches Instrument ist (sein soll).
    Das ist eindeutig ein Instrument des europäischen Zentralismus und für den nationalen Zentralismus.
    Ein Hürde, die vielleicht noch für die großen Staaten wie die BRD, Frankreich, England, Italien, Spanien einigermaßen erträglich ist.
    Die Menschen in den ‚echten‘ Ländern, den Regionen, stellt diese Hürde aber vor ernste Probleme.

    Sollten wir in Bayern ein ‚bayrisches‘ Anliegen haben, das wir gerne behandelt sehen würden, dann müsste eine durchschnittliche Initiative schon schon von Glück reden, wenn man binnen 1 Jahr auf eine stattliche Unterschriftenzahl von 1 Mio. kommt. Bayern hat rund 12 Mio. Einwohner, nicht jeder Einwohner hat aber eine ‚gültige‘ Unterschrift …

    Österreich mit ‚nur‘ rund 8 Mio. Einwohner würde sich da noch schwerer tun.
    Den Katalanen ergeht es da mit über 7 Mio. ähnlich.

    Es gibt – glaube ich – nicht einmal 2,5 Mio. Basken.
    Welche Möglichkeit hätten die, eine Anliegen einzubringen … annähernd keine.

    Luxemburg hat zwichen 500T und 600T Einwohner.
    Eine Initiative aus Luxemburg für luxemburger Belange hätte somit schon von vornherein gar keinen Sinn …

  2. Reinhart Jahnke

    Schon wieder so ein Europawahn der Leute, die meinen, dieser Erdteil gehöre nur ihnen. Ja, und wie sollen die Bewohner Maltas die Unterschriften zusammenbekommen? Schon die Zusammensetzung des angeblichen Parlaments zeigt, daß Demokratie und Volkes Wille nichts in dieser EU zu suchen haben: 80.000 Malteser bekommen einen Abgeordneten – dagegen müssen es in Deutschland schon 800.000 BRD-Bürger sein! Man ist also 1/10 Malteser wert. Wenn das keine Verarschung ist!