Gender Mainstream

Ein Kommentar von Barbara Bayer, Mitarbeiterin der Landesgeschäftsstelle der Bayernpartei.
Bei manchen E-Mails, die die Geschäftsstelle derzeit erreichen, könnte man meinen, das Abendland wäre am Untergehen. Die Europäische Union wolle die Wörter „Mutter“ und „Vater“ abschaffen, seltsame Kunstbegriffe wie „Männer in beruflichen und politischen Welten“ (was auch immer das sein mag) erschaffen und allgemein das Gender Mainstreaming zur obersten Richtschnur der Politik erheben.
Gar so tragisch ist es Gott sei Dank noch nicht. Richtig ist: Es gibt eine Resolution im Geschlechtergleichheitsausschuss des EU-Parlaments, die von der Schweizer Sozialdemokratin Doris Stump eingebracht wurde und sich mit der „Bekämpfung sexistischer Stereotype in den Medien“ beschäftigt. Wer sich die Mühe macht, diese Resolution im Wortlaut zu lesen, wird sehr schnell merken, was von dem Pamphlet zu halten ist und wie ernst man das ganze nehmen kann.
Der gesamte Text ist voll von unverbindlichen Aufforderungen, Klagen und Empfehlungen und zudem gespickt mit Stilblüten, die im europäischen Parlamentarismus ihresgleichen suchen:
Der Kampf gegen geschlechtsbezogene Stereotype ist ein Mittel, um Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhindern.
Der Satz ist nichts anderes als ein Schlag ins Gesicht aller misshandelten Frauen. Das Problem ist also nicht tatsächliche Gewalttätigkeit, sondern vielmehr ist alles nur Folge von Klischees in den Medien. Die Ausrede der „schweren Kindheit“ ist also im Zeitalter des Gender Mainstreaming angekommen…
Frauen sind in den Medien unterrepräsentiert, wenn nicht gar unsichtbar.
Wer eine gewisse Betriebsblindheit an den Tag legt, der sieht wohl auch keine Frauen in den Medien.
Der Europarat ruft die Mitglieder dazu auf, Kampagnen, die das Bewusstsein (für Geschlechtergerechtigkeit) schaffen, voranzutreiben und zu beginnen.
Es geht also in erster Linie um gut gemeinte Papiertiger-Aktionen – die schaden wahrscheinlich nicht, sondern kosten „nur“ Geld.
Der Europarat fordert die nationalen Parlamente auf, ihre Abgeordneten dazu zu ermutigen, in ihrer parlamentarischen Arbeit nicht-sexistische Sprache zu verwenden und nicht auf sexistische Stereotype zurückzugreifen.
Mal ehrlich: Gibt es irgendeinen Abgeordneten, der seine dahingehende Haltung eingesteht und auf diese Aufforderung hin sagt „Oh, OK, dann halt nicht mehr“?
96 % aller Nachrichten weltweit stellen Themen der Geschlechtergleichheit, die mit dem Inahlt zu tun haben könnten, nicht in den Vordergrund
Das mag vielleicht damit zu tun haben, dass sowohl Journalisten als auch Leser eine andere Vorstellung davon haben, was wirklich relevant ist.
17 % der Fotos in Wochenzeitungen mit männlicher und weiblicher Leserschaft zeigen Frauen, 53 % zeigen Männer.
Ist es nicht auch schon sexistisch, davon auszugehen, es könnte auch Zeitungen mit nur männlicher oder nur weiblicher Leserschaft geben? Die Vorstellung, Frauen würden den Playboy oder den Kicker und Männer die Bunte oder die Cosmopolitan nicht lesen, ist doch auch stereotypisch.
Ob Frauen gleichberechtigter sind, wenn mehr Bilder von ihnen in der Zeitung sind, darf man freilich auch bezweifeln.
Besondere Aufmerksamkeit sollte auf die neuen elektronischen Medien fallen, die oft außerhalbs jeder Form von Regulierung stehen.
Da ist er wieder, der rechtsfreie Raum.
Diese Medien repräsentieren für Frauen ein neues Feld, sich auszudrücken [Fußnote: In Frankreich chatten fast 49 % aller Frauen, 44 % schreiben in Diskussionsforen, 43 % versenden E-Mails und sie sind überwiegend in MySpace und Facebook vertreten.]
Es ist eine Binsenweisheit, dass Frauen gerade im Social Web sehr stark vertreten sind – was unbegreiflich ist, wo es doch überall nur so von Diskriminierung, Stereotypen und daraus resultierender Gewalt wimmelt.
Wie man an diesen wenigen Beispielen sieht, ist die Resolution größtenteils derart absurd, dass man sie nicht überbewerten sollte. Jeder empörte Aufschrei darüber hilft den Urhebern nur, ihre Thesen noch weiter zu verbreiten. Wer gute Nerven und viel Zeit hat, kann sich ergänzend einmal den Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren der Schweizer Bundesregierung durchlesen. Man darf größenteils davon ausgehen, dass keiner der über bloße Wortwahl hinausgehenden Vorschläge wirklich umgesetzt und in der Realität fühlbar wird.
Eine gewisse Besorgnis sollte man aber vielleicht bezüglich der dahinterstehenden allgemeinpolitischen Absichten haben: Die Resolution betont, wie wichtig der Journalismus für die Demokratie ist – und gerade deshalb wollen sie ihn massiv beeinflussen. Was heute noch einige kuriose Begriffsempfehlungen sind, ist morgen vielleicht das Verbot, allzu kritisch über das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu berichten.
Wohin Political Correctness und Gender Mainstreaming bisweilen führen, sieht man an zwei aktuellen Beispielen: Als Ursula von der Leyen kurzzeitig als Bundespräsidentin im Gespräch war, kam sogar von SPD und Grünen eine teilweise Zustimmung, da sie wenigstens eine Frau sei. Und angesichts der Tatsache, dass die neue Regierung in Nordrhein-Westfalen zur Hälfte aus weiblichen Ministern besteht, wurde es sogar zur Nebensache, dass eine in der Bundesrepublik höchst ungewöhnliche Minderheitsregierung gewählt wurde – von politischen Inhalten ganz zu schweigen.
Ein echter Beitrag gegen Sexismus wäre es dagegen, gerade nicht auf das Geschlecht einer Person zu schauen und dann Bevorzugung oder Benachteiligung erkennen zu wollen. Männer und Frauen sollten die gleichen Chancen und Wahlmöglichkeiten haben – diese Freiheit wird aber immer bedeuten, dass es nicht in jeder Hinsicht eine absolut paritätische Verteilung zwischen den Geschlechtern geben kann.
Am 21. Juli 2010 um 07:21 Uhr
gega de abschaffung vo begriffe wia „mutter“ und „vater“ brauchatn mia in bayern nix ham, wenns dann bei ins hoaßt „muatta“ und „voda“.
scheena gruaß
albrecht sappel
Am 21. Juli 2010 um 13:33 Uhr
Schön geschrieben. Einfach lächerlich diese übertriebenen Emanzen…
Am 21. Juli 2010 um 18:00 Uhr
Seit wann sind Bunte und der Playboy für die Bayernpartei Zeitungen?
Am 21. Juli 2010 um 19:10 Uhr
Schön zu sehen in welcher unaufgeregten und sachlichen Weise die Bp das Thema behandelt. Das das ganze ein Riesen-Kas ist kann ja keiner bestreiten. Aber der Untergag des Abendlandes ist es eben auch nicht. In Parlamenten -ob national oder international- wird eben sehr viel für den Reiswolf produziert
Am 22. Juli 2010 um 12:06 Uhr
Ich finde das Thema generell sehr leidig… Der von Ihnen geschriebene Bericht legt es jedoch deutlich dar wie groß die Aufregung darüber sein sollte.
Mir persönlich kommt es nämlich so vor als wäre diese Frau „Quotenmäßig“ eingestellt worden, welche nun mit allem Ehrgeiz versucht etwas über dieses Thema zu schreiben.
Tatsächlich gibt es an manchen Stellen (z.B. Job-Gehälter) einen Unterschied zwischen Mann und Frau, aber das war vielleicht zu wenig für eine Frau Stump um darüber zu schreiben.
Man könnte sich sehr viel Geld sparen wenn nicht jeder sich aufplustert was zu sagen hat und es somit nicht jeder anhören muss.
Liebe Grüße aus dem südlichen Oberbayern.
Am 24. Juli 2010 um 21:57 Uhr
@D.Krug
„Tatsächlich gibt es an manchen Stellen (z.B. Job-Gehälter) einen Unterschied zwischen Mann und Frau…“
Den gibt es. Und zwar zurecht. Und weil Sie bei Schwangerschaft nicht gekündigt werden dürfen, trotzdem aber der Arbeit fern bleiben und auch noch dafür bezahlt werden. Sehen Sie es Ruhig als eine Art „finanzielle Versicherung der Firma“.
Außerdem haben Frauen eine längere Lebenserwartung und kassieren somit länger Rente vom Staat.
Ich persönlich bin der Meinung, dass Frauen, was ihre Rechte anbelangt, mittlerweile MINDESTENS gleichauf mit Männern sind. So wird z.B. viel mehr Geld in die Forschung für Brustkrebs investiert, obwohl Prostatakrebs genauso oft vorkommt. Frauen haben keine Wehrpflicht. Frauen werden trotz Ihrer gewollten Emanzipation immer noch als das schwache Geschlecht angesehen, so dass im Gerichtssaal oft (unfairerweise) eine mildere Strafe ausgesprochen wird. Sogar in Politik und Arbeitswelt haben Sie mittlerweile einen Vorteil durch sämtliche Quotenregelungen. Wenn in einer Behörde oder einer Firma, eine bestimmte Mindestquote an Frauen nicht erfüllt ist, wird der eventuell qualifiziertere Bewerber abgelehnt um das weibliche Geschlecht einstellen zu können. Das behindert in meinen Augen den freien Konkurrenzkampf der Bewerber. Und man muss sich schon fragen: wieso ist so eine Quote überhaupt nötig?
Am 25. Juli 2010 um 06:02 Uhr
Gender mainstreaming ist geboren aus reiner Böswlligkeit. Die Annahme, der Mensch würde zu Mann oder Frau erzögen, läßt sich durch nichts belegen, ist also betrügerische Absicht. Sie versetzt den Menschen in Schockstarre, die traumatische Spuren hinterläßt.
Man soll doch bitte nicht glauben, die Herrschenden wüßten nicht, was sie tun.
Man kann eine Schlacht nicht vermeiden, wenn der Feind unbedingt schlagen will (Machiavelli)